tima-oculav

timaoculavPhosphatpufferlösung zur Spülung der Augen und Haut bei Verätzungen

Anwendungsgebiete

Zur Spülung der Augen, des Bindehautsackes sowie der Haut nach Verätzungen durch Säuren oder Laugen sowie durch Pfefferspray, CS-Kampfgas oder Tränengas.

Erhältlich in Ihrer Apotheke

Produktübersicht

tima-oculav® 250 ml Spüllösung
Inhalt: 250 ml
PZN* (DE) - 3691111 | PZN* (AT) - 3708136
Haltbarkeit nach Anbruch: aus Sicherheitsgründen zum einmaligen Gebrauch

*PZN = Pharmazentralnummer - unter dieser Nummer ist das Produkt in Ihrer Apotheke gelistet.

tima-oculav® ist ein Medizinprodukt. Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsanweisung, Arzt oder Apotheker.

Anwendung

Die Spülung sollte so schnell wie möglich nach Kontakt mit dem schädigenden Stoff erfolgen und muss solange fortgesetzt werden, bis der schädliche Stoff ausgespült ist. Anschließend sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Anwendung am Auge kann durch Druck auf die Spülflasche die Stärke des Strahls auf das mit der zweiten Hand offen gehaltene Auge geregelt werden. Bei Bedarf weitere Flaschen einsetzen.

Verätzungen

Verätzungen sind Gewebezerstörungen, die durch Einwirken von Säuren oder Basen/Laugen hervorgerufen werden. Die Ätzstoffe (Säuren und Basen/Laugen) sind Stoffe, die Zelleiweiß zerstören und so zu flächenhaften Nekrosen, d.h. zu lokalen Gewebstod in einem lebenden Organismus führen.

Eine Verätzung mit einer Säure führt zu Koagulationsnekrosen, d.h. Gewebstod infolge von Eiweißgerinnung.

Bei der Verätzung mit einer Base kommt es zu Kolliquationsnekrosen, d.h. Gewebstod unter Verflüssigung des geschädigten Gewebes. Die Base reagiert mit den Fetten im Gewebe und bildet Seifen, die dann zu einem raschen und tiefen Eindringen in das Gewebe führen.

Die ätzenden Eigenschaften der Basen werden durch die Hydroxidionen (OH- – Ionen) hervorgerufen, während die Wasserstoffionen (H+ – Ionen) die ätzenden Eigenschaften der Säuren hervorrufen. Der Grad der Schädigung des Gewebes durch eine Säure oder Base ist deshalb primär von der Konzentration der freien H+ – bzw. OH- – Ionen abhängig. Um die Gewebsschädigung bei einer Verätzung so gering wie möglich zu halten, ist es erforderlich die H+ – Ionen der Säure bzw. OH- – Ionen der Base zu binden. Die Ätzstoffe diffundieren sehr schnell in das Innere des Auges, Laugen z.B. in einer Zeit von weniger als 2 Minuten.

Achtung: Alle ätzenden Substanzen lösen schon beim ersten Kontakt mit dem Auge einen Lidkrampf aus, der zunächst nur durch vorsichtiges Öffnen mit gespreizten Daumen und Zeigefinger überwunden werden kann. Ansonst ist der Lidkrampf lediglich durch Lokalanästhetika zu durchbrechen, die aber erstens am Unfallort nicht zur Verfügung stehen und zweitens die dringend erforderliche Spülung des Auges hinauszögern.

Deshalb verbietet sich auch die Verwendung von Spülflaschen mit einer sog. “Augen-Badewanne”, da der Betroffene bzw. der Helfer gerade durch das aufgesetzte Spülsystem am Öffnen des Augenlides gehindert wird. Außerdem ist der Flüssigkeitsaustausch in der “Badewanne” nur ungenügend, wodurch das erforderliche Wegspülen der ätzenden Substanz sogar noch verzögert und erschwert wird.

Phosphatpuffer

Die Wirkung des Phosphatpuffers beruht auf der Abfangreaktion von Wasserstoff-Ionen (H+) der Säure bzw. Hydroxid-Ionen (OH-) der Base.

D.h. die Säure bzw. Base wird durch die Puffersubstanz neutralisiert, indem sich die H+ – Ionen der Säure bzw. die OH- – Ionen der Base mit den Zwitterionen des Phosphatpuffers verbinden.

Die Phosphatpufferlösung als Spülflüssigkeit bietet gegenüber der Spülung mit einfachen Wasser den großen Vorteil, dass aufgrund der Bindung der H+ – bzw. OH- – Ionen durch chemische Reaktion deutlich weniger Flüssigkeit zur Neutralisation benötigt wird. Um z.B. die Menge von 1 µl einer 1 n NaOH (Natronlauge) zu neutralisieren sind 107 µl, also 10 Liter Wasser erforderlich. Eine solche Menge steht aber am Unfallort kaum zur Verfügung. Außerdem ist es technisch absolut unmöglich diese Menge an Flüssigkeit innerhalb weniger Minuten ans Auge zu bringen.

Von der Phosphatpufferlösung genügen in diesem Fall dagegen schon ca. 25 ml, um den identischen Neutralisationseffekt zu erzielen

Zudem bietet die Phosphatpufferlösung den großen Vorteil, dass bei gründlicher Spülung auch die tieferen Schichten des Gewebes erreicht und die bereits eingedrungenen freien H+ – bzw. OH- – Ionen gebunden werden können, was bei der Spülung mit Wasser nicht erreicht werden kann.

Erste Hilfe bei Kalkverätzungen

Kalkverätzungen sind deshalb besonders gefährlich, weil das (neutrale) Gewebswasser durch die Reaktion alkalisch wird und das Auge weiter schädigt.

Bei der Kalkverätzung verflüssigt sich das Eiweiß im Gewebe und verbindet sich mit Kalk zu Komplexen. Dieser Ätzschorf ist weich und ätzt weiter, wenn er nicht entfernt wird (sog. Kolliquationsnekrose).

Achtung: Branntkalk (= ungelöschter Kalk, CaO) darf nicht gespült werden, ehe die Kalkpartikel mechanisch vom Auge entfernt wurden, weil sonst der Kalk im Auge gelöscht wird, wodurch große Mengen Wärme frei werden und die Verätzung verschlimmern:

Der ungelöschte Kalk reagiert mit Wasser zu Calciumhydroxid (Kalkhydrat; Ca(OH)2)

CaO + H2O > Ca(OH)2

Diese Reaktion ist stark exotherm, d.h. Wärme wird an die Umgebung abgegeben. Beim Löschen können Temperaturen von weit über 100° C auftreten, wodurch thermische Verletzungen erzeugt werden (sog. Fischauge).

Unsere Empfehlung für Erste Hilfe Maßnahmen

  1. mechanische Säuberung
  2. Säuberung der Umgebung des Auges, insbesondere der Lider und ggf. Entfernung von Kalkstaub, der an und zwischen den Wimpern hängt, mit einem Öl-getränkten Q-Tip
  3. Spülen der Augen mit der Phosphatpufferlösung